Das Traumschiff – echte Familienunterhaltung

MS Deutschland im Sommer 2011

MS Deutschland im Sommer 2011Wir schreiben das Jahr 1981. Ronald Reagan zieht ins Weiße Haus ein, der Unrechtsstaat DDR tituliert die BRD noch weitere acht Jahre lang als „Klassenfeind“ und die Bundesbürger zahlen für ihre drei öffentlich-rechtlichen TV-Programme eine GEZ-Gebühr von 13 DM. Der Stereoton war im deutschen Fernsehen zu dieser Zeit noch nicht eingeführt. Am 22. November jenes Jahres startete das ZDF mit der Reihe „Das Traumschiff“ eine mittlerweile 30 Jahre andauernde Erfolgsgeschichte. Das Reiseziel des luxuriösen Kreuzfahrtschiffes lag bereits in der ersten Folge in der attraktiven, sonnenverwöhnten Karibik. „Von diesem Tag an stand diese besondere und bis dahin unbekannte Form der Familienunterhaltung als Maßstab für die edle Art des Eskapismus und für den Quotenerfolg schlechthin“, sagt Thomas Bellut, Programmdirektor und designierter Intendant des ZDF. „Das Traumschiff“ sei opulentes Starfernsehen, Familienunterhaltung und begeisterndes Reiseerlebnis zugleich, so Bellut weiter. Und tatsächlich: Zu den insgesamt 537 Schauspielern, die seit 1981 an Bord des Traumschiffes aufgetreten sind, gehören bekannte Größen wie Gila von Weitershausen, Maria Sebaldt, Klaus Wildbolz, Marek Erhardt, Gerit Kling, Helmut Zierl und zahlreiche weitere Darsteller der ersten Reihe. Nicht zu vergessen auch Sascha Hehn, der einst die Rolle des Stewarts Victor übernommen hatte.

Die Geschichten der ZDF-Reihe ranken sich nicht selten um familiäre Themen wie etwa uneheliche Kinder, von denen der neue Lebenspartner auf der Schiffsreise erfährt. Auch schwer erkrankte Protagonisten, die auf der MS Deutschland ihre verloren geglaubte Tochter wieder treffen (und mit dieser dann jahrzehntealte Streitigkeiten ausräumen) tauchen immer wieder auf. Kurze Zeit später passiert bisweilen auch schon mal, dass sich die vermeintlich tödliche Krankheit als Fehldiagnose herausstellt und alle glücklich und zufrieden weiterleben können. Denn spätestens zum traditionellen Captains-Dinner, mit dem die Folgen regelmäßig enden, ist die Welt wieder völlig in Ordnung. Klassische Happy Ends eben. Entsprechend dieser Dramaturgie sehen auch die Darsteller ihre Rolle in der Serie: „Ich will den Leuten etwas Schönes vermitteln, Ihnen ein bisschen ein Märchen erzählen, schöne Länder zeigen und etwas Schiffsatmosphäre vermitteln. Das ist eben etwas, was die Menschen nach dem meist stressigen Berufsleben zur Entspannung am Abend vor dem Fernseher brauchen“, erklärt Siegfried Rauch im Interview mit der Agentur ET-Media, Berlin. Der 79-jährige, der die Rolle des „Kapitän Paulsen“ verkörpert, begann seine Karriere 1958 am Theater und spielte später unter anderem im US-Streifen „Patton – Rebell in Uniform“, (sieben Oscars). Darüber hinaus war er an der Seite von Steve McQueen  im Film „Le Mans“ zu sehen. McQueen wurde später übrigens auch Taufpate von Rauchs erstem Sohn. Auf dem Traumschiff mimt Rauch nun schon seit 1999 den Kapitän. Für ihn sind die Dreharbeiten ein Stück weit ein „nach Hause kommen“. Er freut sich über die Auswahl der sehr guten Schauspieler, die der Produzent regelmäßig treffe. „Und es ist natürlich schon Arbeit. Aber ich würde mal sagen, es gibt schlechtere Arbeitsplätze“ sagt Rauch und schmunzelt.

Wolfgang Rademann produziert das ZDF-„Traumschiff“ seit 1981

Ähnlich sieht es wohl auch Wolfgang Rademann, der für das „Traumschiff“ seit dem Start der Serie 1981 als Produzent verantwortlich zeichnet. Rademann beschreibt sich selbst als „Unterhaltungsfuzzi“ und ist ein Berliner, wie er im Buche steht: Schnauze und auch Herz zeichnen seine oft langen Interviewantworten aus. Gerne garniert er seine Ausführungen mit Anekdoten und auch der einen oder anderen Spitze. Während eines Pressetermins zum 30-jährigen Jubiläum erzählt er zum Beispiel, wie ein Schauspieler einmal in letzter Sekunde eine bereits zugesagte Rolle wieder absagte. Der einzige Grund für die Absage war das Rauchverbot, das in den Schiffskabinen herrscht. An anderer Stelle erklärt Rademann, weshalb die Jubiläumsfolge (Nummer 65) satte 120 Minuten statt der sonst üblichen 90 Minuten dauert: „Der Programmdirektor hat gesagt: Dreh so lange wie Du willst. Mit demselben Geld!“ (vgl. Foto: „Rademann/Bellut“). Im Anschluss fügt er allerdings beschwichtigend hinzu: „Wir haben keine richtige Not, der Sender stattet uns schon ganz anständig aus“. Der bei der Jubiläums-Pressekonferenz neben Rademann sitzende Harald Schmidt, der mittlerweile als Kreuzfahrtschiffdirektor in der TV-Serie agiert, weiß ebenfalls Anekdoten über Rademann zu berichten: Schmidt: „Wolfang, die Geschichte hast Du mir ja mal erzählt: Rademann und Heinz Hönig treffen sich in Berlin, sagt Rademann: ‚Ick will mit Ihnen drehen. Ick höre, Sie sind nen Arschloch. Stimmt det?“ Da sagt der Heinz: ‚Nee, bin ich nicht‘. Und da war er engagiert“.

Wolfgang Rademann ist durchaus direkt, kann aber vor allen Dingen mitreißen und andere für seine Themen begeistern. Von seiner Arbeit für die ZDF-Reihe ist er sehr überzeugt: „Ich mach das Traumschiff gerne. Mit der Truppe hier ist det nen Riesenspaß“, sagt er. Die jeweils 21 Drehtage, die eine Folge üblicherweise in Anspruch nimmt, haben den 76-jährigen schon fast in die ganze Welt geführt. Es gibt kaum ein Reiseziel, dass Rademann noch nicht gesehen hat: „Mir jeht die Welt aus“ klagt er. „Es gibt nur noch die Philippinen, Kuba, Alaska und Korea. Mehr hab ick nich uff der Warteliste“.

Das Kreuzfahrtschiff „MS Deutschland“ – kein Massentourismus

Während der Dreharbeiten befinden sich übrigens nicht nur die Schauspieler und die TV-Crew auf dem Kreuzfahrtschiff. Auch ganz „normale“ Passagiere fahren während der Drehs auf dem Luxusdampfer mit. Insgesamt kann die MS Deutschland maximal 520 Passagiere und 280 Crew-Mitglieder befördern. Das einzige Grand Hotel auf See, das unter deutscher Flagge fährt, weist eine sogenannte „Länge über alles“ von 175 Metern auf. Zum Vergleich: Das Kreuzfahrtschiff „Celebrity Silhouette“, das im Juni 2011 die Meyer Werft im emsländischen Papenburg verlassen hat, kann 2.886 Passagiere transportieren und hat eine „Länge über alles“ von 319 Metern.

Das Interieur der MS Deutschland ist edel und luxuriös im Stile der 20er Jahre gehalten (vgl. Fotos: „Flur“ und „Fahrstuhl“). Auf das Thema Hygiene ist ein besonderes Augenmerk gerichtet: Wer beispielsweise die Lido-Terrasse auf Deck 9 betreten möchte, wird gebeten, seine Hände vorab zu desinfizieren. Dazu steht ein Desinfektionsautomat bereit, der das entsprechende Reinigungsmittel zum Einreiben der Hände spendet (vgl. Foto: „Desinfektion“).

Kritik am Traumschiff durch Christoph Maria Herbst

Zu den insgesamt 537 Schauspielern, die bislang den Cast der Traumschiff-Reihe bilden, gehört auch Christoph Maria Herbst. Der gebürtige Wuppertaler, einem größeren Publikum durch seine Titelrolle in der Büro-Comedy „Stromberg“ bekannt, wurde 2010 für die Folge „Bora-Bora“ engagiert. Während der Dreharbeiten verfasste Herbst ein Buch, das sich in sehr kritischer Weise mit der „Traumschiff“-Reihe auseinandersetzt. Unter anderem bezeichnet er darin das Schiff als „schwimmende Schwarzwaldklinik“ oder „Mumienschlepper“. Auf diese Kritik reagierte Produzent Rademann verärgert. Gegenüber der B.Z. erklärte er: „Christoph hat die Reise genossen, Spaß gehabt und gut gespielt. Wie er jetzt Mitspieler, Passagiere und Zuschauer madig macht, ist unfair“. Siegfried Rauch sieht die Situation im Interview mit der Agentur ET-Media, Berlin äußerst gelassen: „Ach ja, der, naja, der ist ein bisschen eifersüchtig mit seiner Einschaltquote von zwei Millionen. Das verstehe ich ja auch. Aber dann hängt er sich halt an uns dran. Er muss es ja nicht machen, wenn er es nicht gern macht. Es zwingt ihn keiner.“

Und so wird das Traumschiff wohl auch noch in den nächsten Jahren die Weltmeere durchqueren. Die Einschaltquoten, die in den letzten zehn Jahren regelmäßig zwischen knapp sieben und gut zehn Millionen Zuschauern liegen, wird Herbsts Kritik sicherlich nicht verändern. Am Zweiten Weihnachtstag (26. Dezember 2011) sticht die MS Deutschland um 20:15 Uhr wieder in See und wird Kurs auf Kambodscha nehmen. Mit dabei sind Nina Bott, Jochen Busse, Peter Sattmann und einige mehr. Um 23:15 Uhr folgt dann das „Traumschiff Spezial 2011“, das exklusive Einblicke hinter die Kulissen gewährt und das Team auf seiner Reise nach Bali begleitet.

EIC

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