Delta Airlines ist zurück: Der Markt mit den Flugverbindungen in die USA wächst

Politik Mai 31, 2017

New York City und Berlin rücken enger zusammen. Mit Delta Airlines kehrt eine Fluggesellschaft nach Tegel zurück, die neben Air Berlin und United Airlines eine weitere Direktverbindung in den Big Apple anbietet.

Von Frank Wagner

Es ist Freitag, 10:46 Uhr, die Sonne scheint, das Thermometer zeigt angenehme 22 Grad. Am Flughafen Tegel setzt erstmals seit 2011 wieder eine Maschine der amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air Lines auf. Die Boeing 767-300, die gut acht Stunden zuvor am New Yorker Flughafen John F. Kennedy gestartet ist, landet 14 Minuten zu früh in Tegel. Mit ihrem Erstflug will Delta in den Wettbewerb um Urlauber und Businesskunden mit Berlin-Bezug auf beiden Seiten des Atlantiks einsteigen. Der Markt der Flugverbindungen in die USA und auch von dort nach Berlin ist für die Airlines attraktiv: Laut einer Statistik von „VisitBerlin“, Berlins offizieller Marketing-Organisation, waren die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr mit über 1,1 Millionen Besuchern der drittgrößte Kernmarkt für Berlin. Die Besucherzahl für 2016 ist damit um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. „Berlin wird bei den Amerikanern ein immer beliebteres Reiseziel“, erklärt Kent Logsdon, Gesandter der Botschaft der Vereinigen Staaten in Berlin, und fährt fort: „Berlin ist auch ein wachsender Technologie-Knotenpunkt. Die neue Flugverbindung wird daher hoffentlich auch die sich entwickelnde New York-Berlin-Verbindung zwischen Unternehmern und Wagniskapitalgebern weiter verbessern“.

Mit Blick auf die deutschen Touristen betont Logsdon bei den Feierlichkeiten zum Erstflug, dass die USA und insbesondere New York schon lange ein beliebtes Ziel für Menschen aus Berlin seien. Die aus- und einreisenden Touristen seien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für beide Länder und brächten wichtige Abstrahleffekte hinsichtlich Profiten und Jobs: „Wir gehen davon aus, dass jeweils 40 Touristen aus Deutschland etwa einem Job in den USA entsprechen“, so der Gesandte. Im Jahre 2015 konnten die USA einen Rekord von 2,3 Millionen Besuchern aus Deutschland verzeichnen, eine Steigerungsrate von zehn Prozent – und das sechste Wachstumsjahr in Folge.

Wettbewerber United und Air Berlin

Um die Attraktivität der Berlin-USA-Verbindungen weiß man auch bei United Airlines, deren Maschine jeden Morgen um 9:40 Uhr nach New York, genauer gesagt zum Flughafen Newark im benachbarten New Jersey, aufbricht. Die US-Fluggesellschaft teilte sich die Gäste auf der Strecke bislang nur mit Air Berlin. Das Berliner Unternehmen flog dabei stets den Flughafen JFK an, zuletzt sogar zweimal pro Tag. Fast zeitgleich mit der Rückkehr von Delta Air Lines reduzierten die Berliner ihr Engagement jedoch auf eine Verbindung pro Tag.

Trotz der beiden Wettbewerber in Tegel rechnet Delta sich gute Marktchancen aus, wie Nat Pieper, der als Senior Vice President Alliances (zu deutsch: „Ressortleiter Allianzen“) für die Airline tätig ist, erklärt: „Zunächst einmal haben wir einen hervorragenden Hub, also ein starkes Drehkreuz am Flughafen JFK, das noch viel stärker als vor fünf Jahren ist“. Darüber bringt die Airline Reisende nahtloser als je zuvor zu ihren Anschlussflügen. Berliner Fluggäste können so zügig in New York umsteigen, um dann mehr als 60 bequeme Umsteigeverbindungen nach Nordamerika, Lateinamerika und in die Karibik zu nutzen. Zu den Top-Anschlussverbindungen für Reisende aus Berlin zählen Chicago, Miami, Los Angeles, San Francisco und Toronto. Um ein besonders bequemes und angenehmes Flughafenerlebnis zu ermöglichen, hat Delta 1,4 Milliarden US-Dollar in den Flughafen JFK investiert. Das Ergebnis ist unter anderem ein hochmodernes Terminal 4, das seit Januar 2015 mit insgesamt 27 Flugsteigen, zahlreichen Schaltern und Check-In-Automaten für den schnellen Umstieg sowie beliebten Geschäften und Restaurants aufwartet.

Eine schnelle Umsteigemöglichkeit ist eminent wichtig, um auch mit Blick auf die Wettbewerber attraktiv zu sein. Air Berlin fliegt zwar nicht die genannten 60 Ziele des Konkurrenten Delta an. Dafür bietet die deutsche Airline allerdings fünfmal pro Woche Direktflüge von Tegel nach Miami. Zudem sind die Destinationen San Francisco und L.A. seit Mai dreimal bzw. viermal pro Woche als Nonstop-Verbindung im Programm. Und Chicago, der zweitgrößte US-amerikanische Flughafen, wird fünfmal in der Woche direkt von Air Berlin angeflogen.

Zuverlässigkeitsrekord bei Delta

Das gut funktionierende Delta-Drehkreuz am Flughafen JFK und auch die soliden Partnerschaften mit Air France und KLM sind nicht die einzigen Unterscheidungsmerkmale zu manchen Wettbewerbern, die Reisende bei der Auswahl ihres Carriers in Betracht ziehen dürften. Einen wichtigen Bestandteil des Services bei Delta stellt daher auch die Verlässlichkeit der Flugverbindungen dar.

Verspätungen und Ausfälle sind bekanntermaßen immer ein großes Ärgernis für Urlauber und Städtereisende. In ganz besonderer Weise gilt dies jedoch für Businessgäste: Wer einen engen Zeitplan hat und ein wichtiges Meeting wegen eines gecancelten Fluges verpasst, läuft Gefahr, viel Geld oder gar ganze Projekte zu verlieren. Daher legen Geschäftsreisende regelmäßig gesteigerten Wert auf eine hohe Zuverlässigkeit. Und hier kann Delta Air Lines mit einem Rekordwert punkten: „An mehr als 200 Tagen gab es gemessen an den letzten 365 Tagen keine einzige Flugstornierung innerhalb der gesamten Airline“, erklärt SVP Pieper. Der Wert datiert vom Jahresende 2016 und stellt eine Leistung dar, die keine andere Airline erreicht hat. Verlässlichkeit ist den Unternehmenslenkern wichtig. Pieper: „Wir haben eine Menge Geld in die Pünktlichkeit unserer Flugzeuge investiert“.  Delta fliegt mit 800 Flugzeugen 323 Destinationen in 59 Ländern an.
In Großbritannien hat die Fluggesellschaft unlängst den Preis für die beste Airline für Business-Reisende gewonnen, in den USA bekommt sie seit vielen Jahren regelmäßig den „Business Traveller Award“

Für die Gäste der Business Class, die bei der amerikanischen Fluggesellschaft mit dem Begriff „Delta One“ bezeichnet wird, präsentiert Nat Pieper auf der Pressekonferenz in Tegel eine spezielle „launch fare“, ein Einführungsangebot. Konkret bedeutet dies, dass der New-York-Flug in der Business Class seiner Airline bereits für unter 1.300 Euro zu haben ist. Üblicherweise sind für diese Klasse bei nahezu allen Wettbewerbern mindestens rund 2.000 Euro fällig, teilweise sogar mehr als das Doppelte dieser Summe.

Insgesamt ist der Anteil Geschäftsreisender zwar sehr wichtig für die Fluggesellschaft, doch gerade im Sommer spielen auch die Urlaubsgäste und Familien eine entscheidende Rolle. Um die neue Route profitabel zu betreiben, braucht die Fluggesellschaft beide Gruppen. Sowohl die Businessgäste, die pro Kopf mehr Geld einbringen, als auch die Economy Reisenden, die deutlich weniger für ihr Ticket zahlen müssen.

Berlins Wirtschaft profitiert

Beim Delta-Erstflug in Tegel ebenfalls vor Ort ist Burkhard Kieker, Geschäftsführer von VisitBerlin. Er lobt die wirtschaftliche Relevanz der neuen Verbindung: „Jeder Interkontinentalflug hat eine große wirtschaftliche Bedeutung, er zieht hunderte Arbeitsplätze nach sich und hilft natürlich, die Berliner Wirtschaft international noch besser zu verbinden“, so Kieker. „Früher mussten wir die Airlines überzeugen, nach Berlin zu fliegen, inzwischen kommen sie von selber und so muss es auch sein.“ Kieker rechnet mit einem langfristigen Engagement von Delta, das über den Flugplan der Sommersaison hinausgehen dürfte. Der Markt habe sich inzwischen verändert: „Neben dem touristischen Markt haben wir eben auch verstärkt Geschäftsreiseverkehr aus dem Start-up Bereich, aus dem produzierenden Gewerbe und auch seitens der politischen Amtsträger. Das wird helfen und ich bin sicher, dass Delta schon bald das ganze Jahr über durchfliegen wird“.

Die Boeing 767 der Delta Air Lines hat an diesem Freitagmorgen mittlerweile ihre Wassertaufe durch die beiden links und rechts der Maschine postierten Fahrzeuge der Flughafenfeuerwehr überstanden und ihre Parkposition am Gate A 01 erreicht. In knapp zwei Stunden geht es zurück nach New York.

EIC